Abwasserrecycling in der Industriewäscherei: Wasser zurückgewinnen statt entsorgen
Praxisbeispiel aus dem Baltikum: Wie keramische Mikrofiltration und MVR-Verdampfung die Aufbereitung stark belasteter Wäschereiabwässer wirtschaftlicher machen.
Industrielle Wäschereien stehen vor der Herausforderung, große Mengen belasteter Waschwässer wirtschaftlich aufzubereiten. Besonders bei der Reinigung von Berufsbekleidung, Schmutzfangmatten und industriellen Wischtüchern entstehen komplexe Abwasserströme mit Ölen, Tensiden, Fasern und weiteren Verunreinigungen.
Ein Projekt aus dem Baltikum zeigt, welches Potenzial in der gezielten Trennung und Wiederverwendung dieser Prozesswässer steckt.
Gemeinsam mit Belmar Technologies aus England entwickelte die MKR Metzger GmbH ein mehrstufiges Wasserrecycling-Konzept, das unterschiedliche Abwasserströme separat behandelt und die Rückführung des aufbereiteten Wassers in den Waschprozess ermöglicht.
Die Herausforderung: Stark belastetes Wäschereiabwasser
Der international tätige Textildienstleister reinigt unter anderem stark verschmutzte Wischtücher, Arbeitsbekleidung und Schmutzfangmatten.
Die verwendeten Textilien sind teilweise mit Ölen, Kühlschmierstoffen, Brems- und Prüfmedien belastet. Bei der Reinigung entstehen alkalische Abwässer mit emulgierten Ölen, Tensiden, Fasern und Schwebstoffen.
Die bisher eingesetzte chemisch-physikalische Abwasserbehandlung mit Druckentspannungsflotation (DAF) verursachte hohe Betriebskosten und konnte die gestiegenen Anforderungen an die Abwasserqualität nicht mehr dauerhaft erfüllen.
Gesucht wurde eine Lösung, die den Chemikalienverbrauch reduziert, die Wasserwiederverwendung erhöht und unterschiedliche Abwasserströme zuverlässig behandelt.
Die Lösung: Mehrstufige Abwasseraufbereitung mit keramischer Mikrofiltration
MKR entwickelte gemeinsam mit Belmar Technologies ein individuelles Aufbereitungskonzept, das mehrere Verfahrensstufen kombiniert:
- Vibrationssiebung zur Abtrennung von Fasern und gröberen Feststoffen
- Selbstreinigende Druckfiltration zur weiteren Vorbehandlung
- Keramische Crossflow-Mikrofiltration zur Abtrennung feiner Verunreinigungen
- Energieeffiziente MVR-Verdampfung zur zusätzlichen Wasserrückgewinnung
Die einzelnen Abwasserströme werden entsprechend ihrer Zusammensetzung und den Anforderungen an das wiederverwendete Wasser behandelt.
Aufbereitung stark belasteter Waschlauge
Für das Waschwasser aus der Reinigung industrieller Wischtücher kommt eine keramische Membranfiltration mit einer Gesamtfilterfläche von 16 m² zum Einsatz.
Die Anlage wurde für stark schwankende Belastungen ausgelegt und erreicht laut Projektbericht Behandlungskapazitäten von bis zu 30 m³ pro Tag.
Durch die Vorbehandlung und Mikrofiltration werden Fasern und Schwebstoffe entfernt, emulgierte Ölanteile abgetrennt und Tenside reduziert.
Ein wesentlicher Vorteil: Die aufbereitete heiße Waschlauge kann erneut im Waschprozess eingesetzt werden. Dadurch sinken sowohl der Bedarf an Frischwasser und Reinigungschemikalien als auch der zusätzliche Energieaufwand.
Energieeffiziente Spülwasseraufbereitung durch MVR-Verdampfung
Auch die nachfolgenden Spülprozesse erzeugen größere Mengen Abwasser. Da dieser Wasserstrom weniger Waschchemikalien enthält, eignet er sich für eine separate Behandlung.
Nach der Entfernung von Fasern und Partikeln durch Vibrationsfilter wird das Spülwasser mithilfe energieeffizienter Verdampfungstechnik aufbereitet.
Dabei kommt die mechanische Brüdenkompression (Mechanical Vapor Recompression, MVR) zum Einsatz.
Der entstehende Wasserdampf wird verdichtet, wodurch sich seine Temperatur erhöht. Die enthaltene Wärmeenergie wird anschließend erneut im Verdampfungsprozess genutzt. Das reduziert den Bedarf an zusätzlicher Heizenergie.
Im beschriebenen Projekt nennt der Fachbericht einen Energiebedarf von rund 40 kWh pro Kubikmeter aufbereitetem Abwasser für den eingesetzten MVR-Verdampfungsprozess.
Über diesen Verfahrensschritt konnten rund 1,5 m³ Spülwasser pro Stunde zurückgewonnen und wieder für die Reinigung industrieller Wischtücher bereitgestellt werden.
Die Ergebnisse: Deutlich weniger Frischwasser und Chemikalien
Das Projekt zeigt, welche Einsparungen eine auf den jeweiligen Prozess abgestimmte Wasseraufbereitung ermöglichen kann.
Für den beschriebenen Waschlauge-Kreislauf nennt der veröffentlichte Fachbericht folgende Ergebnisse:
| Kennzahl | Projektbezogenes Ergebnis |
|---|---|
| Frischwasserbedarf | Um bis zu 98 % reduziert |
| Natronlaugeverbrauch | Um bis zu 80 % reduziert |
| Chemikalienverbrauch | Rund 800 Liter pro Tag eingespart |
| Zusätzliche Dampfbeheizung der Waschanlagen | Konnte entfallen |
Die Wiederverwendung der warmen Waschlauge trägt zusätzlich dazu bei, vorhandene Wärmeenergie innerhalb des Prozesses zu nutzen.
Wichtig: Die genannten Werte beziehen sich auf die im Fachbericht beschriebenen Anwendungen und Betriebsbedingungen. Sie sind nicht pauschal auf andere Wäschereien übertragbar.
Weitere Anwendung: Schmutzfangmatten und Mietwäsche
Auch für die Behandlung der Abwässer aus der Schmutzfangmatten- und Mietwäscheaufbereitung wurde eine keramische Mikrofiltrationslösung eingesetzt.
Mit einer gesamten Filtrationsfläche von 64 m² erreicht die Anlage laut Fachbericht Behandlungskapazitäten von etwa 120 bis 150 m³ pro Tag.
Das Abwasser konnte dabei um mehr als das 70-Fache aufkonzentriert werden.
Für diesen Abwasserstrom werden folgende Ergebnisse berichtet:
- Über 99 % Entfernung von Mikroplastik
- Etwa 96 % Reduzierung des chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB)
- Etwa 95 % Entfernung von Ölen und Fetten (FOG)
- Etwa 99 % Entfernung suspendierter Feststoffe (TSS)
- Etwa 97 % Reduzierung der Tenside
Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial keramischer Membranfiltration zur Behandlung komplexer Wäschereiabwässer.
Wasserrecycling als wirtschaftliches Gesamtkonzept
Das Praxisbeispiel zeigt, dass die getrennte Aufbereitung unterschiedlicher Abwasserströme entscheidende Vorteile bieten kann.
Während die Mikrofiltration belastete Waschlaugen reinigt und ihre Wiederverwendung ermöglicht, unterstützt die MVR-Verdampfung die Rückgewinnung von Spülwasser.
Durch die Kombination beider Technologien können Wasser- und Chemikalienverbrauch reduziert, Reststoffmengen verringert und der Energieeinsatz optimiert werden.
Solche mehrstufigen Lösungen bilden auch eine Grundlage für weitgehend geschlossene Wasserkreisläufe und weiterführende Zero-Liquid-Discharge-Konzepte (ZLD).
Fazit: Abwasser wird zur wertvollen Ressource
In industriellen Wäschereien entstehen sehr unterschiedliche Abwasserströme. Eine wirtschaftliche Behandlung erfordert deshalb eine genaue Betrachtung der enthaltenen Stoffe, der Prozessbedingungen und der gewünschten Wasserqualität.
Das Projekt im Baltikum zeigt, wie durch das Zusammenspiel von mechanischer Vorbehandlung, keramischer Mikrofiltration und MVR-Verdampfung neue Möglichkeiten für die Wasserrückgewinnung entstehen.
MKR Metzger unterstützt Industriewäschereien bei der Entwicklung individueller Wasserrecycling- und Abwasseraufbereitungskonzepte – abgestimmt auf Abwasserzusammensetzung, Durchsatz und Prozessanforderungen.
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Quelle: Fachbeitrag „Wasser neu denken statt entsorgen“, R+W Textilservice, Ausgabe 7–8/2026, Seiten 58–60. Redaktionell für die MKR-Website aufbereitete Fassung.