Case Study: Abwasseraufbereitung in der Luftfahrtindustrie – Effiziente Behandlung von Rissprüfwasser mit Verdampfertechnik
In der Luftfahrtindustrie entstehen hochspezialisierte Abwässer, die sich mit klassischen Verfahren oft nur schwer behandeln lassen. Besonders Rissprüfwasser (NDT) stellt Unternehmen vor große Herausforderungen, da es chemisch belastet ist und gleichzeitig hohe Anforderungen an Entsorgung und Umweltverträglichkeit erfüllt werden müssen. Ein europäischer Zulieferer für Luftfahrtkomponenten stand genau vor dieser Situation – mit dem Ziel, die Abwasserbehandlung wirtschaftlicher zu gestalten und gleichzeitig die Umweltbilanz zu verbessern.
Ausgangssituation
Mit steigenden Produktionsmengen nahm auch das Abwasseraufkommen deutlich zu. Neben Kühlschmierstoffen sollten künftig auch Spülwässer aus der Teilereinigung sowie das besonders kostenintensive Rissprüfwasser behandelt werden. Die bestehende Verdampferanlage war dafür nicht ausreichend dimensioniert und konnte die zusätzlichen Volumen nicht zuverlässig verarbeiten.
In Summe fielen rund 1.500 m³ Abwasser pro Jahr an, die bislang mit hohem Kostenaufwand entsorgt werden mussten.
Der wirtschaftliche Druck stieg – ebenso wie die Anforderungen an eine nachhaltige und zukunftssichere Lösung.
Technische Herausforderung
Die besondere Schwierigkeit lag in der Kombination unterschiedlicher Abwasserströme. Während Kühlschmierstoffe und Spülwässer bereits bekannt waren, stellte das Rissprüfwasser eine zusätzliche Herausforderung dar. Es ist chemisch komplex, häufig nicht direkt einleitfähig und verursacht überdurchschnittlich hohe Entsorgungskosten.
Gleichzeitig musste die neue Lösung mehrere Anforderungen erfüllen: höhere Durchsatzleistung, stabile Prozesse trotz schwankender Zusammensetzung und eine Integration in bestehende Abläufe – ohne zusätzlichen Personalaufwand.
Technische Lösung
Die bestehende Anlage wurde durch einen atmosphärischen Verdampfer ET 200 ersetzt und durch eine abgestimmte Vorbehandlung ergänzt. Ziel war es, alle Abwasserströme in einem stabilen und durchgängigen Prozess zu behandeln.
Das Abwasser wird zunächst über eine mechanische Vorbehandlung geführt. Ein Bandfilter mit integriertem Ölabscheider entfernt grobe Feststoffe sowie freie Öle. Anschließend erfolgt eine Feinfiltration, bevor das Medium dem Verdampfer zugeführt wird.
Im Verdampfer wird das Abwasser thermisch getrennt: Das Wasser verdampft und wird als Destillat zurückgewonnen, während die enthaltenen Schadstoffe im Konzentrat gebündelt werden. Das Destillat wird zusätzlich über einen Ölabscheider nachbehandelt, um eine gleichbleibend hohe Qualität sicherzustellen.
Ein entscheidender Faktor für den Projekterfolg war die gezielte Auslegung der Anlage auf das spezifische Medium. Durch vorgelagerte Laborversuche – insbesondere mit Fokus auf das Rissprüfwasser – konnten die Prozessparameter optimal eingestellt und ein stabiler Betrieb gewährleistet werden.
Ergebnisse
Mit der neuen Anlage konnte der Kunde die Abwasserbehandlung deutlich effizienter gestalten. Die Entsorgungskosten wurden spürbar reduziert, da das Abwasservolumen durch die Verdampfung erheblich verringert wurde. Gleichzeitig konnten mehrere Abwasserströme in einem System zusammengeführt werden, was die Komplexität im Betrieb deutlich reduzierte.
Auch die Umweltbilanz verbesserte sich nachhaltig, da weniger Abfall anfällt und Wasser teilweise im Kreislauf geführt werden kann. Der reduzierte Wartungsaufwand und die robuste Anlagentechnik führten zusätzlich zu geringeren Betriebskosten und einer höheren Anlagenverfügbarkeit.
Fazit
- Effiziente Behandlung komplexer Abwasserströme wie Rissprüfwasser
- Deutliche Reduzierung von Entsorgungs- und Betriebskosten
- Zusammenführung mehrerer Abwasserströme in einem System
- Hohe Prozesssicherheit durch gezielte Auslegung und Vorversuche
- Nachhaltige und skalierbare Lösung für steigende Anforderungen
Dieses Projekt zeigt, dass sich auch komplexe industrielle Abwässer wie Rissprüfwasser wirtschaftlich behandeln lassen. Gerade in der Luftfahrtindustrie, wo hohe Qualitäts- und Umweltanforderungen gelten, bietet die Verdampfertechnologie eine zuverlässige Lösung für steigende Abwassermengen und Kostenstrukturen.
Unternehmen mit vergleichbaren Prozessen profitieren insbesondere dann, wenn unterschiedliche Medien zusammengeführt werden sollen und klassische Verfahren an ihre Grenzen stoßen.